Der Wunschfresser: ein KI-Werbefilm, den Leute freiwillig teilen
Tief unter Inzell sitzt eine Wolpertingerkatze auf einem Berg aus Akten. Man flüstert ihr einen Wunsch ins Ohr, sie kaut wie ein Sommelier, und aus ihrem leuchtenden Neonbart wächst die Lösung - eine Maschine mit Auge und Zylinderhut, und am Ende ein komplettes Skigebiet, das die Kellerdecke durchschlägt. Dreißig Sekunden, komplett KI-generiert, an einem Abend gebaut. Der Film läuft auf caz.de/wunschfresser - dieser Artikel erzählt, wie er entstanden ist.
Warum überhaupt so ein Wahnsinn?
Niemand teilt Werbung. Menschen teilen Momente, die man beschreiben muss, um sie zu erzählen: "Da ist eine Katze, die frisst Wünsche und rülpst eine Gewitterwolke, die kleine Regenschirme regnet." Das erzählt man weiter. "Wir bauen professionelle Websites" erzählt niemand weiter. Also haben wir uns entschieden, den Film so abgefahren zu machen, dass er wie ein Anfall wirkt - und ihn gleichzeitig todernst zu inszenieren, wie eine Luxus-Werbung. Genau diese Fallhöhe ist der Humor.
Der Prompt ist ein Drehplan
Die aktuelle Generation der KI-Videomodelle kann 30 Sekunden mit mehreren Schnitten und konsistenter Figur in einer einzigen Generierung erzeugen. Der Trick, ohne den es nicht geht: Der Prompt wird als Zeitplan geschrieben. Sekunde 0 bis 3 passiert dies, Sekunde 3 bis 7 das, dazu Schnittmarken. Ohne diese Taktung macht das Modell alles gleichzeitig - und jede Pointe stirbt.
- Jede Szene bekommt ein eigenes Zeitfenster mit Anfangs- und Endsekunde
- Die Figurbeschreibung steht wortwörtlich identisch in jedem Prompt - ein geändertes Wort, und die Katze hat plötzlich andere Augen
- Kameraanweisungen gehören in den Prompt, nicht in die Presets des Tools - sonst legt sich eine globale Bewegung über alle Schnitte
- Pausen müssen explizit bestellt werden: "hold the pause, far too long" - sonst füllt das Modell jede Sekunde mit Action
Der Copyright-Filter und die Rettung aus der Heimat
Unser erster Entwurf des Wesens flog raus: klein, uralt, faltig, riesige Ohren - der Filter des Anbieters erkannte das Beschreibungsmuster einer bekannten Filmfigur und verweigerte die Generierung wegen Copyright. Die Rettung lag näher als gedacht: Wir sitzen in Inzell, also wurde das Wesen ein Wolpertinger. Bayerisches Volksgut kennt kein Copyright - und eine Wolpertingerkatze mit Samtgeweih, Entenflügeln und Goldkrönchen ist ohnehin die bessere Figur. Der Bart wurde bewusst kein Regenbogen, sondern leuchtendes Neon in unseren Markenfarben - flüssiges Licht, das wie Polarlicht wabert.
Die beste Antwort auf einen Copyright-Filter ist eine Figur, die es wirklich nur einmal gibt.
Die Stille ist der Witz
Der beste Moment im Film sind vier Sekunden, in denen nichts passiert. Eine Kundin flüstert zu lange, die goldene Wunschkugel ist fast zu groß fürs Ohr, die Katze schluckt schwer - und dann: Stille. Der Bart erstarrt, die Ohren klappen runter, nichts bewegt sich. Dieses Nichts musste explizit in den Prompt geschrieben und gegen den Drang des Modells verteidigt werden, jede Sekunde zu füllen. Timing bleibt Handarbeit, auch wenn die Bilder aus der Maschine kommen.
Was es gekostet hat
Ein Abend Arbeit und ein zweistelliger Eurobetrag an Rechenleistung, verteilt auf Testläufe in niedriger Auflösung und finale Takes in Full HD. Vor zwei Jahren wäre das ein fünfstelliges Produktionsbudget mit Team, Studio und Wochen Vorlauf gewesen. Die ehrliche Einordnung dazu: Die Werkzeuge sind für alle da. Der Unterschied liegt in der Idee, im Timing und in den hundert kleinen Entscheidungen - vom Schnurrbart des Nebendarstellers bis zur Sekunde, in der die Musik schweigt.
Soll deine Marke auch einen Film bekommen, den Leute freiwillig teilen? Erzähl uns von deinem Produkt: hallo@caz.de.
Bastian Portes
Gründer & CEO, CAZ Labs
Unternehmer, der codet - und Krimis schreibt.