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Der Büromaschinensturm: 1977 hatten wir schon einmal Angst vor dem Ende der Arbeit

14. September 20265 Min. Lesezeit

Beim Stöbern bin ich auf einen Beitrag aus der ORF-Zeit im Bild von 1977 gestoßen. Er handelt von einer Sorge, die sich wie ein Nachrichtenbeitrag von heute anhört: Maschinen werden die Arbeit im Büro übernehmen, und viele Menschen werden nicht mehr gebraucht. Damals ging es nicht um KI, sondern um elektronische Textverarbeitung und die ersten Mikrocomputer. Und es fällt ein Wort, das ich seitdem nicht mehr aus dem Kopf bekomme: Büromaschinensturm.

Das Wort ist perfekt. Es klingt nach Unwetter, das über die Schreibtische zieht, und es erinnert an die Maschinenstürmer des 19. Jahrhunderts, die Webstühle zerschlagen haben, weil sie um ihr Brot fürchteten. Fast fünfzig Jahre später erleben wir denselben Sturm noch einmal. Deshalb lohnt sich der Blick zurück.

Was 1977 auf die Schreibtische kam

Die späten Siebziger waren das Jahrzehnt, in dem das Büro elektronisch wurde. Schreibautomaten mit Bildschirm und Speicher lösten die Schreibmaschine ab, ein Brief ließ sich plötzlich korrigieren, ohne ihn neu zu tippen. 1977 kamen außerdem die ersten Computer auf den Markt, die sich an einzelne Menschen statt an Rechenzentren richteten. In vielen Betrieben saßen damals ganze Schreibpools, in denen Diktate abgetippt und Serienbriefe von Hand geschrieben wurden. Wer auf diese Säle schaute und dann auf die neuen Geräte, konnte leicht ausrechnen, wie viele Stellen übrig bleiben würden.

Was befürchtet wurde

Die Angst war konkret: Schreibkräfte, Sekretärinnen, Buchhalter und Sachbearbeiter würden durch Geräte ersetzt, die schneller, fehlerfreier und ohne Pause arbeiten. Die Rechnung klang logisch. Wenn eine Maschine in einer Stunde schafft, wofür ein Mensch einen Tag braucht, braucht man eben weniger Menschen. Diese Rechnung wird bei jeder neuen Technik wieder aufgemacht, und sie ist jedes Mal nur halb richtig.

Was tatsächlich passiert ist

Die Schreibpools sind verschwunden, das stimmt. Die Tätigkeit, Diktate abzutippen, gibt es praktisch nicht mehr. Aber die Büroarbeit ist nicht verschwunden, sie hat sich verwandelt. Aus dem Abtippen wurde das Gestalten von Dokumenten, aus der Buchhaltung mit Rechenmaschine wurde die Auswertung am Bildschirm, und es entstanden Berufe, die 1977 niemand kannte: Systembetreuer, Datenbankentwickler, Grafiker am Computer. Und ja, auch unsere Branche. Ohne den Büromaschinensturm gäbe es keine Webagentur in Inzell.

Verloren haben nicht die Menschen, die mit den neuen Geräten gearbeitet haben, sondern die, die gewartet haben. Und bei den Betrieben war es genauso: Wer früh umgestellt hat, konnte mit denselben Leuten mehr leisten. Wer die Schreibmaschine verteidigt hat, wurde irgendwann von denen überholt, die es nicht getan haben.

Was heute anders ist

  • **Das Tempo.** Vom ersten Schreibautomaten bis zum Computer auf jedem Schreibtisch vergingen fast zwanzig Jahre. Bei KI reden wir über wenige Jahre, und die Werkzeuge werden jedes Quartal besser. Warum sich die Welt nie wieder so langsam verändert wie heute, habe ich an anderer Stelle aufgeschrieben.
  • **Die Art der Arbeit.** 1977 traf der Sturm vor allem Tipparbeit. KI trifft auch Denkarbeit: Angebote formulieren, E-Mails beantworten, Dokumente prüfen, Texte zusammenfassen. Das betrifft mehr Schreibtische als damals.
  • **Die Kosten.** Ein Schreibautomat kostete damals so viel wie ein Kleinwagen. Die meisten KI-Werkzeuge kosten heute weniger als ein Mittagessen im Monat. Die Hürde ist nicht mehr das Geld, sondern der Entschluss, anzufangen.

Was gleich geblieben ist

Die Angst richtet sich auf die Maschine, die eigentliche Gefahr liegt im Stillstand. Das war 1977 so und es ist heute so. Drei Dinge lassen sich aus dem Büromaschinensturm direkt übertragen:

  • **Es fallen Tätigkeiten weg, nicht Menschen.** Wer genau hinschaut, welche Aufgaben eine Stelle ausmachen, sieht meistens: Ein Teil lässt sich automatisieren, der Rest wird wichtiger.
  • **Wer die Werkzeuge früh benutzt, prägt, wie sie eingesetzt werden.** Betriebe, die ihre Leute mitnehmen, bekommen Lösungen, die zum Alltag passen. Betriebe, die warten, bekommen später fertige Systeme vorgesetzt.
  • **Die Frage ist nicht ob, sondern wo zuerst.** Niemand hat 1977 das ganze Büro auf einmal umgestellt. Man hat mit dem Schreibpool angefangen, weil dort der Nutzen am größten war.

Was wir daraus machen

Genau für die Frage „Wo zuerst?“ haben wir den CAZkompass gebaut. Jeder Mitarbeiter geht in zehn Minuten durch seinen Arbeitsalltag und klickt an, was ihn Zeit kostet. Wir rechnen zusammen und zeigen, welcher Schreibpool von heute sich zuerst lohnt. Das ist heute selten ein ganzer Raum, sondern eher der Montagvormittag, an dem Lieferscheine abgetippt werden, oder die halbe Stunde pro Angebot, die aus Kopieren besteht. Welche KI-Anwendungen im Betrieb heute wirklich funktionieren, steht in einem eigenen Beitrag.

Der Büromaschinensturm hat die Schreibpools weggefegt, nicht die Menschen. Er hat die Betriebe getroffen, die geglaubt haben, er zieht vorbei.

Den ORF-Beitrag von 1977 findest du über den Link unten. Er dauert nur wenige Minuten und ist das beste Mittel gegen die Vorstellung, dass unsere Sorgen neu sind.

Bastian Portes

Bastian Portes

Gründer & CEO, CAZ Labs

Unternehmer, der codet - und Krimis schreibt.

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