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Warum Oberbayern beim Internet nicht warten darf: Tourismus, Wirtschaft und die Stärke der Region

12. September 20268 Min. Lesezeit

Es gibt ein Argument, das ich in der Region öfter höre als jedes andere: „Uns geht es gut, wir haben genug zu tun, das mit dem Internet machen wir, wenn es ruhiger wird.“ Ich verstehe den Satz. Die Auftragsbücher zwischen Rosenheim und Berchtesgaden sind voll, die Betten am Chiemsee und am Tegernsee auch. Aber der Satz hat einen Fehler: Es wird nicht ruhiger. Und die Stärke, die den Satz rechtfertigt, ist genau der Grund, warum Warten hier mehr kostet als anderswo.

Tourismus: die Gäste haben sich schon verändert

Der Gast, der 2026 nach Ruhpolding, an den Königssee oder nach Rottach-Egern kommt, hat seine Reise nicht mehr wie 2019 gebucht. Er hat einen Assistenten gefragt, welche Unterkunft zu seiner Familie passt, hat drei Vorschläge bekommen und einen davon gebucht, ohne je eine Website in Ruhe angesehen zu haben. Die Betriebe, die in diesen Vorschlägen auftauchen, sind die, deren Angebot maschinenlesbar ist: Preise, Ausstattung, Verfügbarkeit, Lage, klar und aktuell. Die anderen existieren für diesen Gast nicht. Das ist keine Prognose, das passiert seit letztem Jahr, und die Portale nehmen den Betrieben, die es nicht selbst können, dafür Provision ab. Meine These zu Agenten statt Webseiten beschreibt, wohin das führt: Die Website wird zur Datenquelle, und wer keine hat, wird nicht empfohlen.

Dazu kommt, was die Region so stark macht: internationale Gäste. Sie suchen in ihrer Sprache, mit ihren Werkzeugen. Ein Betrieb im Berchtesgadener Land, der nur auf Deutsch auffindbar ist, verzichtet auf die Hälfte seines Marktes, ohne es zu merken.

Wirtschaft: der Mittelstand, der produziert, wird gerade neu sortiert

Zwischen Rosenheim, Traunstein, Geretsried und dem Landkreis München sitzen Betriebe, die fertigen, montieren, liefern. Viele davon Zulieferer, viele davon mit Kunden, die selbst gerade digitalisieren. Ein Auftraggeber in München, der seine Beschaffung automatisiert, arbeitet lieber mit dem Lieferanten, dessen Angebot in einer Stunde kommt und dessen Auftragsstatus er online sieht. Nicht, weil der andere schlechter ist, sondern weil er mehr Arbeit macht. Das ist der Wettbewerb der nächsten fünf Jahre: nicht Preis gegen Preis, sondern Reibung gegen Reibung. Und Software, die diese Reibung wegnimmt, ist gerade so bezahlbar wie nie.

Fachkräfte: die Region hat die Arbeit, aber nicht die Leute

Der Engpass in Oberbayern ist nicht der Auftrag, sondern der Mensch, der ihn ausführt. Jeder Betrieb hier kennt das. Digitalisierung ist in dieser Lage kein Luxus, sondern die einzige Antwort, die ohne neue Mitarbeiter auskommt: Wenn die Angebote von allein entstehen, die Zettel nicht mehr abgetippt werden und die E-Mails vorsortiert im Postfach liegen, hat derselbe Betrieb mit denselben Leuten mehr Kapazität. Und für die Leute, die man sucht, gilt: Ein Zwanzigjähriger entscheidet in dreißig Sekunden auf dem Handy, ob ein Betrieb für ihn in Frage kommt. Die Website ist die Karriereseite, ob man will oder nicht.

Nachfolge: Betriebe ohne digitale Substanz sind schwerer zu übergeben

Ein Punkt, über den wenig gesprochen wird. In den nächsten zehn Jahren wechseln in der Region tausende Betriebe den Inhaber. Wer übernimmt, will keinen Betrieb, dessen Wissen in Ordnern und im Kopf des Seniors liegt. Er will Abläufe, die dokumentiert und digital sind, Kunden, die online kommen, und eine Marke, die im Netz existiert. Digitalisierung ist damit auch eine Frage des Unternehmenswerts. Ein Handwerksbetrieb mit sauberer Software, guter Website und gepflegten Daten ist mehr wert als derselbe Betrieb ohne.

Regionale Stärke heißt: nicht auf München warten

Die Region hat alles, was sie braucht. Kapital, Kunden, Handwerk, Gastfreundschaft, Lage. Was ihr lange gefehlt hat, war ein Digitalpartner, der hier sitzt und nicht mit Münchner Preisen und Konzernprozessen ankommt. Das ist der Grund, warum wir in Inzell sind und jetzt auch in Unterhaching: nah genug an München, um dessen Betriebe zu bedienen, nah genug am Chiemgau, um zu wissen, wie hier gearbeitet wird. Wer digital vorne ist, muss nicht nach München. Er kann die Münchner Kunden von hier aus bedienen.

Was Warten kostet, in Zahlen, die jeder Betrieb selbst nachrechnen kann

  • **Portalprovision:** 12 bis 18 Prozent auf jede Buchung, die über ein Portal kommt statt über die eigene Seite. Bei einem Hotel mit einer Million Umsatz sind das leicht 60.000 Euro im Jahr.
  • **Angebote:** Eine halbe Stunde pro Angebot, zehn Angebote die Woche, 45 Wochen: über 200 Stunden im Jahr, die ein Assistent auf ein Viertel senkt.
  • **Abtippen:** Lieferscheine, Stundenzettel, Rechnungen. In vielen Betrieben eine halbe Stelle, die nichts produziert.
  • **Anfragen, die nie kommen:** die unsichtbarste Zahl. Wer für Assistenten und KI-Suchen nicht lesbar ist, bekommt die Anfrage nicht, die der Nachbar bekommt. Man sieht sie nie, aber sie fehlt.

Die Region ist stark genug, um sich das Warten leisten zu können. Sie ist zu stark, um es sich leisten zu sollen.

Wo bei euch die Zeit verbrennt, zeigt der CAZkompass: zehn Minuten pro Mitarbeiter, keine Fachbegriffe, kostenlos. Danach wissen wir beide, womit man anfängt.

Bastian Portes

Bastian Portes

Gründer & CEO, CAZ Labs

Unternehmer, der codet - und Krimis schreibt.

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